Elisabeth Dauthendey - Erotische Novellen

Das war ein anderer, als den sie bisher gekannt, der da vor ihnen stand, zu dem die alte Zutunlichkeit nicht recht passen wollte. Sie schauten einander an. – Nun, was ist's mit euch – Mädels – kennt ihr den Paul nicht mehr? Er lächelte sehr freundlich und gütig, aber ein klein wenig herablassend. Die Mädchen waren alle seltsam verlegen und erröteten. Erda, die mutigste, ärgerte sich über sich selbst, sprang zu ihm hin und tippte mit der Fingerspitze an seine bunte Studentenmütze, an sein feines, zierliches, junges Bärtchen. – Das ist's, Herr Paul – das macht dich plötzlich so anders. Paul lachte amüsiert und etwas geschmeichelt auf, ergriff Erda's Hand und küßte sie. Da war sie dunkelrot und hilflos, und die Goldfunken in ihren Augen sprühten und glitzerten. – Kommt, setzen wir uns gemütlich wie einst – sagte er, und warf sich in das Gras. – Wo kommst du so spät noch her? fragte Bella. – Die Sehnsucht nach euch – kam mittags an; telephonierte zu euch – hörte, daß ihr zur Insel wolltet, und da überraschte ich euch – reizend von mir, was? So brachte er sie mit seiner burschikosen Art, die ihnen neu war, wieder langsam ins Geleise. Und als er dann aus seiner Tasche drei wunderfeine Schachteln mit süßen Dingen herausbrachte und ihnen zusteckte, war der Bann gebrochen. In voller Selbstvergessenheit lösten sie sich in die Wonne der süßen, schmelzenden Dinge aus, von denen es ihnen so schmeichelnd über die Nerven ging. Sie warfen Paul die bunten Hülsen in die Haare, steckten ihm eine Süßigkeit in den Mund und vergaßen ganz, daß es spät wurde. – Himmel, eure Eltern werden sich ängstigen – kommt, ich rudere euch schnell heim – sagte plötzlich Paul. Und mit seinem kräftigen Tempo brachte er sie in einem Drittel der Zeit heim, die sie vorher gebraucht hatten. Nun trabten sie die mondhelle Straße zu ihren Landhäusern zurück. Bella schob sich zu Paul hin.

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